Wandern in Trevelez
Meine Winterwanderung von Trevélez nach Siete Lagunas.

Im andalusischen Bergdorf Trevélez auf knapp 1.500 Metern Höhe beginnt die Wanderroute hinauf nach Siete Lagunas (Sieben Lagunen) unterhalb des Gipfels des Spanischen Festlandes, dem Mulhacén.

Wandern in Andalusien / Wanderführer Andalusien

  • Ausgangspunkt: Dorfplatz des „Barrio Medio“ in „Trevélez“
  • Kilometer (Auf- und Abstieg): Ca. 22km
  • Zu erwandernder Höhenunterschied: Etwa 1500m
  • Dauer (Auf- und Abstieg): 8-10 Stunden
  • Schwierigkeitsgrad: Hoch*

*Technisch birgt die Route im Sommer keine hohen Herausforderungen. Wenn man von der Länge und der daraus resultierenden physischen Anstrengung absieht, ist sie eher leicht. Fallen die Temperaturen zwischen Herbst und Frühling unter Null Grad und kommt Regen oder in höheren Lagen Schnee dazu, wird es etwas schwieriger. Der letzte und steilste Abschnitt, über welchen das Wasser der Seen abfließt, ist dann vereist.

Der Schnee darüber lässt keine klare Wanderroute erkennen. Auf den vereisten Steinen wird es schwierig, Halt zu finden. Vor allem beim Abstieg sollte man sehr vorsichtig sein, um Stürze und Verletzungen zu vermeiden. Deswegen stufe ich die Route bei Schnee und Eis als schwierig ein.

In Trevélez beginnt die Wanderroute nach Siete Lagunas und auf den Mulhacén

Ende November letzten Jahres machte ich einen Ausflug nach Trevélez. Das kleine Bergdorf in den Alpujarras ist bekannt für seine Schinken. Diese lassen sich in der trockenen und kalten Bergluft, auf fast 1500m, besonders gut lagern. Trevélez ist das höchstgelegenste municipio (Gemeinde) Spaniens.

Ich fuhr aber nicht die 160km von Málaga nach Treveléz wegen der Schinken. Vielmehr kam ich hierher, wegen der Wanderrouten. In Trevélez beginnt der Wanderweg nach Siete Lagunas und auf den Mulhacén – den mit 3479m höchsten Gipfel des spanischen Festlandes.

Ankunft in Trevélez

Dienstag Mittag parkte ich meinen Van auf dem Dorfplatz im Barrio Medio von Trevélez. Einige Meter oberhalb des Dorfplatzes markiert ein Schild den Beginn des Wanderweges nach Siete Lagunas. Ich hatte also den optimalen Parkplatz.

Obwohl die Sonne schien, kam die Temperatur an diesem Novembertag kaum über die Null Grad. In der Nacht sollten es sogar -5º Celsius werden. Ich war gut eingepackt und hatte genügend Decken im Auto.

Meinen Kleinbus hatte ich schon vor Jahren zum Mini-Campingbus umfunktioniert. Im hinteren Teil befindet sich eine bequeme Schlafstelle. Hier wollte ich die Nacht verbringen und am nächsten Morgen um 7 Uhr meine Tour zu den sieben Lagunen beginnen.

Stärkung für Siete Lagunas mit Tapas aus Trevélez

Den Rest des Tages erkundete ich den Ort. Trevélez gehört zur Provinz Granada. In Granada gibts zu jedem bestellten Getränk eine Tapa (kleine Appetithäppchen). Die Grösse der Tapas variiert von Bar zu Bar. In manchen Bars werden zum Getränk Tapas in Grösse einer halben Ration gereicht. Ich kehrte in einigen Bars ein und genoss die zünftige Bergkost. Schinken aus Trevélez ist hier natürlich in allen Bars die Nummer 1 unter den Tapas.

Am Ende des Abends ersetzte ich im Restaurante La Fragua* im Barrio Medio von Trevélez, nicht weit vom Auto, das alkoholfreie Bier gegen zwei Alhambra Reserva 1925. Ich bekomme keine Kommission für die Verlinkung der Restaurantseite. Ich verlinke sie, weil die Tapas dort vorzüglich sind und es ein warmer Ort an kalten Abenden ist. Und das meine ich nicht nur wegen dem gut beheizten Kanonenofen.

Die Kneipe war an jenem kalten Abend krachend voll mit Wanderern und Dorfbewohnern. Die Besitzer machen ihren Job mit Herz. Und als ich am nächsten Tag nach meiner Rückkehr vom Berg gegen 16:30 Uhr fragte, ob es noch was zu Mittag gäbe, wurde mir ausserhalb der Öffnungszeit noch ein deftiger Teller serviert.

Kaltstart nach Siete Lagunas – Mulhacén

Trotz dicker Decken war es eine kalte Nacht und ich konnte lange nicht einschlafen. Kurz nachdem ich dann endlich eingeschlafen war, wurde ich vom Handy-Alarm auch schon wieder aus meinen Träumen gerissen. Steif lief ich über den ausgestorbenen nächtlichen Dorfplatz zur Quelle, warf mir etwas eisiges Quellwasser ins Gesicht und putzte mir die Zähne.

Die Bar Siete Lagunas gleich unterhalb des Dorfplatzes im Barrio Medio von Trevélez öffnet bereits gegen 6:30 Uhr. Dort trank ich einen Café con Leche und ass eine Tostada mit Marmelade. Als ich aus der Bar kam, wurde es langsam hell auf dem Dorfplatz. Ich holte meinen Seesack aus dem Auto, zog mir die Mütze ins Gesicht und machte mich auf den Weg.

Augen auf beim Eierkauf

Gleich am Beginn der Wanderroute übersah ich ein Hinweisschild und lief in die falsche Richtung. Ich überholte zwei Wanderer und anstatt mich rechts auf der acequia zu halten, lief ich geradeaus steil den Berg hinauf. Ich kam bald ins schwitzen. Weiter oben fragte ich mich, wo die beiden Wanderer blieben, die ich überholt hatte. Der Weg wurde immer undeutlicher. Ich zweifelte und hätte gern jemanden nach dem Weg gefragt. Aber weit und breit war niemand zu sehen. Als der Pfad an einer Brombeerhecke endete, verflog meine Gelassenheit und ich fluchte laut.

Ich sah keine andere Möglichkeit, als die ganze Strecke wieder hinabzulaufen. Als ich unten ankam, sah ich ein durchkreuztes Zeichen an der Weggabelung, an der ich in die falsche Richtung gelaufen war. Ich freute mich, dass ich nun den richtigen Weg gefunden hatte. Andererseits ärgerte ich mich über die Energieverschwendung und den Zeitverlust.

In den Bergen heisst es: Augen auf beim Eierkauf!

Ich beschloss, von nun an aufmerksamer auf den Weg zu achten. Es war bereits 9:30 Uhr. Die beiden Wanderer waren schon über alle Berge.

Der Weg in Eis und Schnee

Der Barkeeper der Bar Fragua, der als Tourguide selbst Touren in der Sierra Nevada organisiert und führt, hatte mich in der Nacht zuvor darauf hingewiesen, dass der Aufstieg nach Siete Lagunas und Siete Lagunas selbst durch die anhaltende Kälte wohl bereits stark vereist wären. In einigen Bergführern werden Steigeisen für den letzten Abschnitt des Aufstiegs empfohlen.

Siete Lagunas heisst übersetzt: Sieben Lagunen

Diese Lagunen befinden sich auf einem Plateau auf 2900m am Fusse des Mulhacén. Das letzte Stück zum Plateau ist durch den Abfluss der Bergseen im Winter vereist.

Ich besitze keine Steigeisen und rechnete bei meiner Anreise auch nicht damit, dass das Plateau im November bereits total vereist wäre.

Ich bin ohne Karte unterwegs und weiter oben im Schnee ist kein Weg mehr zu erkennen. Ich bin froh, als ich die beiden Wanderer vom Morgen wieder einhole und folge ihren Schritten. Am Fuss des vereisten Aufstiegs zum Plateau von Siete Lagunas treffe ich auf sie, als sie sich für diesen letzten und schwierigsten Abschnitt kurz im Schutz eines Felsens ausruhen. Es ist ein Pärchen. Ein französischer Tourguide mit seiner Freundin.

Die beiden sind gut ausgerüstet und wollen die folgende Nacht unterhalb des Mulhacén biwakieren. Steigeisen haben die beiden aber auch keine. Durch tiefen Schnee bahnen wir uns den Weg zum Fuss des Plateaus. Es ist arschkalt. Ich binde mir die Kapuze zu und das Tuch vors Gesicht. Ausserdem ziehe ich meine Lederhandschuhe an, die ich normalerweise zum Motorradfahren benutze.

Aufstieg über den vereisten Abfluss der Bergseen zum Ziel: Siete Lagunas

Die beiden Franzosen gehen voraus. Ich folge ihren Tritten. An manchen Stellen folge ich meinem eigenen Instinkt. Nach dem Motto: „Lieber vorbeugen als auf den Arsch fallen“ vermeide ich jedes Risiko. Die Steine sind mit einer Eisschicht überzogen. Es ist schwierig Halt zu finden und an manchen Stellen bewege ich mich buchstäblich auf allen Vieren vorwärts. Der Aufstieg ist mühsam, aber macht auch Spass. Klettern und auf dem Boden herumkrabbeln mögen alle Kinder. Und wir sind grosse Kinder auf einem etwas grösserem Bergspielplatz.

Als wir oben ankommen, eröffnet sich uns eine vereiste Mondlandschaft. Der erste und grösste See der Sieben Lagunen ist komplett zugefroren. Der Mulhacén im Hintergrund scheint zum greifen nah. Aber der Schein trügt. Für die verbleibenden 570 Meter bis zum Gipfel kann man bei diesen Verhältnissen noch einmal 2h einplanen. Es ist bereits Mittag, einer meiner Trekkingschuhe ist durch einen Fehltritt im Eis weiter unten durchnässt und ich habe noch den ganzen Rückweg vor mir.

Durch den eisigen Wind ist die gefühlte Temperatur hier oben niedriger, als das Thermometer anzeigen würde. Selbst mit dem Tuch vorm Gesicht habe ich das Gefühl, mir friert jeden Moment die Nase ein. Ich unterhalte mich noch eine Weile schreiend mit dem Franzosen, um den Wind zu übertönen, während seine Freundin bereits weiterläuft. Wir tauschen unsere Visitenkarten aus und wünschen uns alles Gute. Dann verabschiede ich mich und mache mich auf den Rückweg.

Beim Abstieg rutsche ich den vereisten Abfluss teilweise auf dem Hinterteil runter. Mit den Hacken suche ich Halt an Steinen und im Schnee. Mit Händen und Ellenbogen stütze ich mich ab. An weniger vereisten Passagen steige ich normal herunter. Trotz aller Vorsicht zieht es mir einmal die Beine weg und ich rutsche einige Meter den Hang hinunter. Ich finde wieder Halt und komme mit einem Schrecken davon.

Ich bin froh, als ich wieder festen Boden unter den Füssen habe. Während dem gesamten Rückweg begegne ich keiner Menschenseele. Auf der Hälfte der Strecke mache ich eine kurze Rast an einem kleinen Rinnsal am Waldrand. Der nasse Schuh reibt mir beim laufen langsam aber sicher die Ferse auf. Daran sollte ich nach der Rückkehr noch einige Tage meine Freude haben.

Siete Lagunas / Mulhacén
Angekommen in Siete Lagunas. Im Hintergrund erkennt man den Gipfel des Mulhacén 3.482 m

Zurück in Trevélez genehmige ich mir ein deftiges Menu im Restaurante. Ich kaufe noch ein paar Spezialitäten wie Feigenkuchen, Olivenöl, Schafskäse und ein bisschen Schinken aus Trevélez. Es soll ja Leute geben, die fahren für diese Leckereien 160km…

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Wanderroute von Trevelez nach Siete Lagunas – Mulhacen / Meine persönlichen Erfahrungen

Mike Lippoldt

Über den Autor: Mike Lippoldt wanderte auf unkonventionelle Weise mit dem Fahrrad nach Spanien aus. Über seine Abenteuer und den Neustart in Andalusien schrieb er ein Buch.

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